Shibari-Leitfaden

Der Leitfaden zum Fesseltraining im Octagon — und zum Nachschlagen daheim. Er ersetzt keinen Kurs: Sicherheitsaspekte und die Feinheiten der Ausführung besprechen wir vor Ort.

Level 0 — Absolute Beginner

Fokus: Basiswissen

Grundbegriffe

Zur besseren Verständigung ist es wichtig, dass wir die gleichen Begriffe benutzen. Dadurch wird das Erklären und das Sprechen über Shibari deutlich erleichtert. Dazu zählen beispielsweise die Begriffe Bight und Working-End (Deutsch: Arbeitsende).

Als Bight bezeichnen wir die Mitte des Seiles, mit der wir üblicherweise anfangen zu fesseln.

Als Working-End bezeichnen wir den Rest des Seiles, das noch nicht eingefesselt ist.

Weitere wichtige Begriffe sind Tension (Deutsch: Spannung) und Friction (Deutsch: Reibung). Unter Tension verstehen wir die Seilspannung. Unter Friction verstehen wir die durch Reibung von Seil auf sich selbst erzeugten Strukturen. Durch Friction verbinden wir Seile und halten sie an Ort und Stelle.

Einzelne Schritte

  1. Bight
  2. Working-End
  3. Tension
  4. Friction

Rope Handling

Rope Handling

Als Rope Handling (Seilführung) bezeichnen wir die Handhabung des Seiles. Aus den Grundbegriffen kennen wir bereits Bight und Working-End sowie Tension und Friction.

Unter Rope Handling verstehen wir, wie wir mit dem Seil umgehen, um uns das Fesseln möglichst einfach zu machen. Eine gute Handhabung sorgt beispielsweise für Schnelligkeit, aber auch für gleichmäßige Tension, nicht verdrehte Seile und dafür, dass wir die gefesselte Person nicht unbeabsichtigt mit dem Working End treffen.

Wie im Bild zu erkennen ist, kann das Seil durch unsere Finger gleiten.

Einzelne Schritte

  1. Seilführung
  2. Gleichmäßige Tension

Lark's Head

Lark's Head

Der Lark's Head ist eine sich selbst zusammenziehende Struktur; genauer gesagt bilden wir eine Schlaufe um – wie im Bild gezeigt – den Oberkörper. Hinweis: Die gleiche Struktur nutzen wir auch zum Verlängern von Seilen.

Achtung: Diese Technik verwenden wir nur sehr selten, um den Körper zu fesseln.

Einzelne Schritte

  1. Sicherheitsaspekte
  2. Seilführung im Lark's Head
  3. Lark's Head rotieren

Wrapping

Wrapping ist eine Methode, bei der wir das Seil um den Körper legen. So festigen wir das Rope Handling und können uns mit wenig Technik auf den Prozess des Fesselns konzentrieren.

Counter Tension

Counter Tension

Als Counter Tension bezeichnen wir eine Struktur, bei der es zwei entgegengesetzte Frictions gibt.

Das Bild zeigt den Lark's Head: Man sieht das Bight auf der linken Seite, durch das das Seil nach rechts geführt wird.

Zudem gibt es Counter Tensions in einigen anderen Strukturen (siehe Shin Lacing). Die Counter Tension ist daher ein gutes Mittel des Rope Handlings, da wir so für gleichmäßigere Spannung sorgen können.

Einzelne Schritte

  1. Seilrichtung
  2. Finger richtig einsetzen
  3. Häkeln vermeiden

Full Stop

Der Full Stop ist die einfachste Friction, die es gibt. Bei ihr wird das Seil einmal um ein anderes gewickelt.

Half Hitch (Halber Schlag)

Half Hitch (Halber Schlag)

Der Half Hitch (Deutsch: halber Schlag) ist eine der Frictions, die wir oft benutzen. Durch sie können wir Seile zusammenfassen (siehe Bild), aber auch einen Richtungswechsel vornehmen.

Tipp: Achte auf den kleinen Winkel des ankommenden Seiles.

Einzelne Schritte

  1. Bevorzugte Richtung

Crossing Hitch (auch: Nodome oder Munter Hitch)

Der Crossing Hitch ist eine der stärksten einfachen Frictions.

Merksatz: Drüber – drunter – drüber – drunter.

Yuki Knot

Yuki Knot

Der Yuki Knot ist weniger ein echter Knoten als vielmehr eine spezielle Friction, die aus einer Schlaufe und einem Half Hitch besteht.

Einzelne Schritte

  1. Schlaufe durchziehen
  2. Schlaufe bilden (Half Hitch)
  3. Handbewegung

Anchor (Anker)

Anchor (Anker)

Der Anker dient uns als Vorbereitung zum Single Column Tie. Anhand des Ankers erlernen wir das Grundprinzip eines Knotens.

Einzelne Schritte

  1. Was ist ein Knoten?
  2. Den Knoten kippen
  3. Gegenläufigkeit
  4. Drüber – drunter
  5. Davor und dahinter

Single Column Tie (Square Knot)

Single Column Tie (Square Knot)

Der Single Column Tie ist die erste komplexe Struktur, die eine nicht kollabierende Schlaufe bildet. Es gibt verschiedene Varianten (mit und ohne Knoten), die alle das Ziel haben, einen Ankerpunkt zu schaffen.

Jede Variante hat dabei Vor- und Nachteile und verschiedene Nutzungsmöglichkeiten. Die Schwachstellen zu (er)kennen ist daher besonders wichtig.

Der Single Column Tie in der Square-Knot-Variante hat ein unverwechselbares Aussehen. Ist diese Struktur erkennbar, ist er korrekt ausgeführt.

Tipp: Gerade am Anfang ist es besonders wichtig, den Single Column Tie oft zu wiederholen. Wir empfehlen daher, ihn die ersten Wochen täglich zu üben.

Achtung: Aus der Counter Tension wissen wir, dass das Seil eine bevorzugte Richtung hat.

Einzelne Schritte

  1. Drüber oder drunter?
  2. Wickeln – links oder rechts?
  3. Abstand mit Fingern
  4. Schlaufengröße anpassen
  5. Square Knot
  6. Bevorzugte Richtung

Video-Anleitung

Level 1 — Beginner

Fokus: Patterns & Floorwork

Single Column Tie (Granny Knot)

Single Column Tie (Granny Knot)

Der Single Column Tie in der Granny-Knot-Variante ermöglicht immer noch eine Schlaufe, allerdings mit einem anderen Knoten. Diese Variante wird sehr oft verwendet, da sie mit einem kleinen Trick einfach zu machen ist.

Einzelne Schritte

  1. Granny Knot vs. Square Knot
  2. Handbewegung
  3. Granny vs. Square Knot – Zusammenhang
  4. Bevorzugte Richtung

Single Column Tie (Somerville Bowline)

Single Column Tie (Somerville Bowline)

Im Gegensatz zum Single Column Tie in der Square- und Granny-Knot-Variante kann sich der Somerville Bowline nicht öffnen und ist daher sicherer. Allerdings ist er nicht unbedingt einfacher und benötigt einen extra Handgriff, der gerade am Anfang schwer sein kann.

Einzelne Schritte

  1. Das „L“ aus Daumen und Zeigefinger

Double Column Tie

Der Double Column Tie ist dem Single Column Tie sehr ähnlich und bildet eine Schlaufe um zwei Körperteile, die sich nicht selbst zusammenzieht. Um Rotation um sich selbst zu verhindern, bilden wir eine Art Steg (Cinch) zwischen beispielsweise Armen oder Beinen.

Achtung: Der Cinch kann unangenehm drücken oder sogar auf einen Nerv drücken. Daher ist besondere Vorsicht geboten.

(Shin) Lacing

(Shin) Lacing

Als Lacing bezeichnen wir die im Bild gezeigte Struktur. Lacing (Deutsch: Einschnüren) beschreibt eine Struktur, die man beispielsweise auch bei einem Korsett sieht, bei dem man beide Teile zusammenknüpft. Übertragen auf Shibari nehmen wir zwei Körperteile – oft Beine – und schnüren diese ein.

Dafür werden oft Counter Tensions verwendet, da diese es ermöglichen, das Gefühl des Gefesseltseins Stück für Stück zu verstärken.

Einzelne Schritte

  1. Double Column Tie
  2. Counter Tension
  3. Half-X-Friction
  4. Cinch (optional)
  5. Counter Tension (Funktion vs. Dekoration)
  6. Abschluss mit Yuki Knot

Futomomo

Futomomo

Als Futomomo bezeichnen wir die im Bild gezeigte Körperhaltung und nicht das spezifische Pattern.

Nachdem wir die Ferse zum Oberschenkel gebracht haben, können wir das Bein in dieser Position fesseln. Dafür gibt es verschiedene Varianten und Möglichkeiten.

Einzelne Schritte

  1. Body Movement / Handling
  2. Variante 1: Wrapping
  3. Variante 2: Counter Tension
  4. Variante 3: Half Hitch
  5. Variante 4: X-Friction

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